Aufgrund der aktuellen Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie darf seit Anfang November kein Publikum in die Hallen und Stadien. Wie geht es den ALBA-Fans damit? Was vermissen sie am meisten und wie verfolgen sie die Spiele derzeit? Vier treue Anhänger*innen erzählen.


Manfred Heyn, 75 Jahre alt, ehemaliger Sportlehrer am Dreilinden-Gymnasium

Ich bin erstmals mit ALBA BERLIN in Berührung gekommen, als der Klub noch unter dem Namen BG Charlottenburg in der Sömmeringhalle spielte. Das müsste im Jahr 1990 gewesen sein. Der Sport hat mich so sehr elektrisiert, dass ich mich als Lehrer am Dreilinden-Gymnasium nachhaltig für ihn eingesetzt und ihn gefördert habe und auch immer zu den Spielen in die Sömmeringhalle gegangen bin. Aber die Stimmung dort war mir irgendwie zu cool. Da wurde mehr zugeschaut als angefeuert.

Von einem Bekannten habe ich damals ein Signalhorn der britischen Armee, Baujahr 1942, geschenkt bekommen. Das habe ich mit zu den Spielen genommen und da reingeblasen. Das kam beim Klub so gut an, dass mir meine erste Dauerkarte geschenkt wurde, verbunden mit der Bitte, gerne öfter zu kommen und für Stimmung zu sorgen. Seitdem kaufe ich mir Jahr für Jahr selbst meine Dauerkarte und verfolge die Spieler immer aus der ersten Reihe im Block 206 mit bestem Blick auf die ALBA-Spielerbank. Spannend, welche sonst wenig beachteten Geschichten sich dort abspielen.

Natürlich fehlt mir derzeit sehr vieles: Die Stimmung in der Halle, die Gespräche mit meinen oftmals wechselnden Sitznachbarn, die nicht selten auch Anhänger des Gästeteams sind. Tolle Basketballabende hatte ich schon mit Bambergern oder Fans aus Vechta. Und auch das Fachsimpeln bei der An- und Abfahrt im Auto, mit zwei Freunden bilde ich seit vielen Jahren eine feste und eingespielte Fahrgemeinschaft. Diese sozialen Kontakte fehlen mir sehr. Die Heimspiele gegen Efes Istanbul und den FC Bayern mit den 700 zugelassenen Fans waren da nur ein schwacher Ersatz.

Aber: Das Schauen am Fernseher bringt für mich auch vereinzelte Vorteile mit sich. Ich schaue derzeit viel mehr Auswärtsspiele als sonst, da ich nach längerer Pause wieder MagentaSport abonniert habe. Oft erhalte ich auch durch die Kommentare einen Mehrwert, zum Beispiel wenn Alexander Frisch am Mikro ist. Außerdem ist es mir möglich, die Spiele auch mal später in der Wiederholung anzuschauen. Aber, natürlich: Auch ich würde lieber in die Halle gehen und dort viele bekannte Gesichter treffen, als die Spiele für mich vor dem Fernseher zu verfolgen.
 


Ulrike Schwaner, 35 Jahre alt, Rechtsanwaltsfachangestellte

Vor der Pandemie stand ich bei 99,9 Prozent aller Heimspiele in der Halle im Block 212. Meine Schwiegereltern haben mich vor fünf, sechs Jahren mal zu ALBA mitgenommen. Mich hat der Sport, mit dem ich davor noch nichts zu tun hatte, sofort gepackt, und auch der Kontakt zum Fanclub Block 212 kam recht schnell zustande. Mir hat die Stimmung so gut gefallen, dass ich davon unbedingt Teil werden wollte.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Auswärtsfahrt. Das war damals nach München. Wenn man in so einem Neuner-Bus zusammen gen Süden karrt, lernt man sich natürlich schnell und gut kennen. In der Folge haben wir neben den Heimspielen auch viele EuroCup und EuroLeague-Auswärtsspiele besucht. Tel Aviv, Monaco, Valencia – wir haben einiges mit- und dafür gerne viel Urlaub genommen.

Natürlich fehlt mir und uns allen dieses Zusammensein extrem. Wir waren bei den Heimspielen gegen Efes und die Bayern in der Halle, das war zwar ein kleiner Trost, aber klar: Man durfte nicht rufen und singen, nicht so richtig jubeln. Das war alles etwas komisch. Aber immerhin gab es ein wenig Live-Feeling. Während wir die Spiele beim Finalturnier in München noch in kleinen Gruppen und mit Abstand im Loretta an der Spree verfolgt haben, haben wir uns mittlerweile den Umständen angepasst und verfolgen die Partien jetzt gemeinsam in Videokonferenzen. Da die Übertragungen von MagentaSport natürlich nicht bei uns allen synchron laufen und der Stream manchmal abbricht, kann das auch mal recht lustig und wild werden. Wie beim Spiel gegen Villeurbanne und Peyton Sivas Gamewinner.

Die emotionale Verbindung zum Team hat aufgrund der Distanz dabei weder zu- noch abgenommen. Natürlich will ich wissen, wie es der Mannschaft geht, was die Jungs machen. Da bin ich so interessiert wie zuvor auch. Ich schaue viel auf Social Media und freue mich, wenn es ein normales Lebenszeichen aus dem Team gibt. Als Block 212 achten wir natürlich laufend auf das aktuelle Geschehen und überlegen uns, was vernünftig ist und was wir im Rahmen der Möglichkeiten planen können. Wir verkaufen zurzeit beispielsweise unsere Jahreskalender vor der Arena. Da stehen wir dann mit Abstand, Plätzchen, Glühwein oder Bier und sehnen uns dem Moment entgegen, in dem wir nicht mehr nur vor sondern in der Halle sein können.
 


Lennard Renz, 19 Jahre alt, Student

2008 habe ich erstmals ein ALBA-Heimspiel besucht, Bonn müsste der Gegner gewesen sein. Ich kann mich daran noch gut erinnern, weil meine persönliche Premierensaison quasi direkt mit der Deutschen Meisterschaft gekrönt wurde. Meinem Vater und mir hat die familiäre und gute Atmosphäre sofort gefallen. Seitdem versuche ich, ein bis zwei Heimspiele im Monat in der Halle zu verfolgen. Anfangs aufgrund meines Alters immer in Begleitung eines Elternteils, später aber dann auch eigenständiger. Aber auch heute gehe ich oftmals noch mit meinem Vater und meinem kleinen Bruder in die Halle – natürlich immer in Gelb. Mal mit einem alten Trikot, zum Beispiel von Julius Jenkins, oder in einem ALBA-Shirt.

Wir verfolgen die Spiele normalerweise in der Nähe des Fanblocks, immer irgendwo zwischen den Blöcken 211 und 213. Natürlich fehlt mir diese Energie, die man bei den Heimspielen miterlebt und auch selbst entfacht. Wenn das Spiel eng ist oder der Schiedsrichter eine strittige Entscheidung trifft. Diesen Input, den die Fans dann einem Spiel geben können, das vermisse ich.

Bei den Heimspielen gegen Anadolu Efes und die Bayern wäre ich natürlich gerne in der Halle gewesen, habe aber auch verstanden, dass die Mitglieder und Dauerkarteninhaber*innen da bevorzugt werden. Klar: Als ich die Instagram-Stories aus der Halle gesehen habe, war ich dennoch etwas neidisch. Trotzdem versuche ich auch zurzeit, jedes Spiel zu gucken. Dann sitze ich mit meinem Vater und meinem kleinen Bruder eben nicht in der Halle, sondern auf der Couch. Es ist natürlich nicht das Gleiche, schafft in diesen Zeiten aber auch Ablenkung vom oft sehr eintönigen Alltag.

Schade finde ich, dass ich derzeit noch nicht die Gelegenheit hatte, die vielen neuen Spieler live und aus nächster Nähe zu sehen und auf diese Art kennenzulernen. Umso cooler ist so etwas wie der LOTTO Berlin Fantalk, bei dem Simone Fontecchio und Jayson Granger zu Gast waren. Beide wirken sehr sympathisch, es war schön, mal mehr über sie zu erfahren. Wenn ALBA aber Spiele macht wie in Valencia, bin ich auch aus der Distanz mit vollem Herzen dabei und fiebere mit. Wie sich das Team mit der dünnen Rotation da aufgeopfert hat … Was ein Spiel, das war einfach richtig gut!


Annett Schwanse, 51 Jahre alt, Reiseverkehrskauffrau

Als ich beim ersten Heimspiel der Saison gegen den FC Bayern in der Halle stand und der Einspieler lief, hatte ich Tränen in den Augen. Endlich wieder ALBA, aber das dann in der fast leeren Halle. Das war sehr emotional, aber aufgrund der Situation eben auch komisch. Ursprünglich musste ich quasi gezwungen werden, zu ALBA mitzukommen. Ich arbeite in einem Reisebüro, und früher haben wir für die Albatrosse die Flüge gebucht, dadurch hatten wir als Firma Businesskarten. Irgendwann haben meine Kollegen gesagt: "Mensch, du kommst ja nie mit!" Dann habe ich mich mal überreden lassen und dachte, damit würde es sich erledigt haben, dann hätte ich wieder Ruhe. Tja, seitdem habe ich eine Dauerkarte.

Das war während der Saison 2010/2011. Drei Jahre später wurde ich dann Mitglied des Fanclubs ALBA-Tross. Das kam durch eine Freundin, die ich über ALBA kennengelernt habe und bei der sich auf einer Auswärtsfahrt auch noch herausgestellt hat, dass wir sogar in der gleichen Straße wohnen. So klein ist die Welt manchmal. Normalerweise verfolge ich alle Spiele im Fanblock, auch da kennt man sich untereinander mittlerweile gut. Ich kann beim Zugucken einfach nicht sitzen, das geht nicht. Ich muss stehen und mich bewegen können.

Wenn ich in die Halle komme, natürlich immer mit Trikot, bis heute mit einem von Reggie Redding, und dazu mit blau-gelben Turnschuhen, die ich nur zu den Spielen trage - das vermisse ich natürlich total. Aber auch zuhause bin ich mit vollem Herzen bei den Spielen dabei. Wenn der Fernseher lauter wird, ich quer durch die Wohnung renne und bei Spielen wie gegen Villeurbanne oder Valencia mal rumbrülle, wissen meine Nachbarn Bescheid: ALBA spielt! Und: Auch im Wohnzimmer darf in Sachen die Kleidung die ALBA-Montur nicht fehlen. Ohne geht es einfach nicht.