
Elf Meisterschaften, neun Pokalsiege – satte 20 nationale Titel hat der TSV 1880 Wasserburg zwischen 2004 und 2018 einkassiert, kein Verein hat den deutschen Frauenbasketball in den vergangenen beiden Jahrzehnten so dominiert wie der kleine Club aus Bayern. Meisterschaften und Pokalsiege waren in diesen Zeiten für das Team von ALBA BERLIN noch weiter entfernt als die bayerische Kleinstadt bei Rosenheim, am Mittwoch um 19 Uhr (live bei sporttotal.tv) stehen sich beide Clubs nun jedoch unter völlig veränderten Umständen gegenüber: Im Achtelfinale des DBBL-Pokals treffen die Berlinerinnen als Deutsche Meisterinnen auf Wasserburg als Zweitligisten und spielen tief im Süden um den Sprung unter die letzten Acht des Wettbewerbs. Mittendrin: Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst, die als Spielerin mit dem TSV Wasserburg die ganz großen Zeiten erlebt hat und nun als Managerin für ALBA den Frauen- und Mädchenbasketball in Berlin pusht.
Fotos: Tilo Wiedensohler & Florian Ullbrich
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Als im Oktober die Auslosung für das Pokal-Achtelfinale stattfand, war Svenja Brunckhorst selbst vor Ort in Wasserburg. Und es kam dann tatsächlich so, wie es ja irgendwie kommen musste: Ihr Heimatverein und ihr neuer Club wurden als Paarung aus der Lostrommel gezogen. „Da musste ich sehr schmunzeln“, erzählt die 33-jährige Olympiasiegerin. „Das ist natürlich ein ganz besonderes, aber auch toughes Spiel für mich.“

Sechs Meistertitel, vier Pokalsiege – das ist ihre persönliche Bilanz als Spielerin in Wasserburg. Beim TSV kam sie zum Basketball, wurde sie zur Nationalspielerin und stand mit Ausnahme von einer Saison in Freiburg sowie zwei Auslandsjahren in Frankreich und Spanien bis 2020 auf dem Parkett. Seit Oktober ist sie Ehrenmitglied des Clubs und durfte sich auch ins Goldene Buch der Stadt eintragen, sogar ein 3x3-Court im Ort ist inzwischen nach ihr benannt. „Mittlerweile bin ich natürlich ein bisschen weiter weg, aber Wasserburg ist mein Verein“, sagt ALBAs Managerin für Mädchen- und Frauenbasketball. Jede Menge Familie und Bekannte haben sich für das Pokalduell am Mittwoch angekündigt, „das wird schon schön“, freut sich Svenja Brunckhorst, sagt aber auch: „Beim Spiel denke ich natürlich in Gelb und Blau statt in Rot.“
Logisch: Denn die ehemalige Nationalspielerin ist auch weiter Competitor und will als ALBA-Managerin mit ihrem neuen Club ins Viertelfinale des DBBL-Pokals. „Der Fokus ist klar“, erklärt Svenja Brunckhorst: „Das ist der nächste Step zum TOP4, und da wollen wir dabei sein.“ So wie vergangene Spielzeit, als sich die Berlinerinnen zum ersten Mal für das Finalturnier um den Pokaltitel qualifizierten und sich in Saarlouis mit Platz drei und Bronze die erste Medaille überhaupt in der Geschichte der ALBA-Frauen schnappten. Und auch in dieser Saison ist eigentlich alles dafür angerichtet: Beim Pokalauftakt Anfang Oktober hatten die Berlinerinnen mit dem Zweitligisten Bonn keine Probleme, im Achtelfinale wartet nun mit Wasserburg der nächste Zweitligist, und auch im bereits ausgelosten Viertelfinale Anfang Januar würde mit den Dillingen Diamonds ein weiterer Zweitligist als Gegner warten.

Aber: Der Pokal ist eben der Pokal, mit seinen eigenen Gesetzen und Geschichten und Wendungen und Überraschungen. „Da müssen wir natürlich voll fokussiert sein“, betont Svenja Brunckhorst, erst recht weil ihr Team am Mittwoch eine lange Reise vor sich hat: „Das ist zwar nie ganz einfach, aber wir wollen das Spiel souverän nach Hause bringen.“ Und die ALBA-Managerin weiß natürlich auch, was ihr Team bei ihrem Heimatverein erwartet: „In Wasserburg gab es zuletzt ziemlich viele Umbrüche mit unterschiedlichen Ansätzen“, erklärt sie: „Jetzt ist die Philosophie, in den eigenen Nachwuchs zu investieren und mit einem talentierten Team und einem jungen, ambitionierten Trainer anzutreten.“
Luis Prantl ist der Name des erst 24 Jahre alten Headcoachs, der in Wasserburg gewissermaßen eine Familientradition fortführt, denn sein Großvater Joe Prantl hatte 1955 die Basketballabteilung des TSV gegründet. In seiner zweiten Saison hat er das Team mit acht Siegen aus elf Spielen auf Platz vier der 2. DBBL Süd und mit einem souveränen 86:62-Sieg gegen die Ligakonkurrentinnen vom KuSG Leimen auch ins Pokalachtelfinale geführt. Gleich fünf Spielerinnen aus seinem Team scoren im Schnitt zweistellig, vorneweg das Playmaker-Duo aus der erst 18 Jahre alten Maria Perner (16,4 Punkte) und der kanadischen College-Absolventin Kathleen Hill (14,2 Punkte). Am vergangenen Wochenende gab es jedoch eine knappe 58:61-Niederlage gegen das Farmteam der Eisvögel USC Freiburg.
„Die Entwicklung braucht noch ein bisschen, aber im Pokal hat man natürlich nie was zu verlieren“, meint Svenja Brunckhorst. Und wer sollte das vor diesem besonderen Spiel besser wissen als sie?
TSV 1880 Wasserburg
2. DBBL Süd
| # | Name | Pos. | Alter | cm | Nat. | Team 2023/24 | PpG | RpG | ApG |
| 4 | Kathleen Hill | 1/2 | 27 | 170 | CAN | DJK Don Bosco Bamberg | 14,2 | 4,6 | 5,9 |
| 6 | Maria Perner | 1 | 18 | 178 | GER | TSV 1880 Wasserburg | 16,4 | 3,6 | 4,1 |
| 8 | Johanna Bielefeld | 1/2 | 19 | 177 | GER | Metropol Ladies Herne/Recklinghausen | 6,7 | 6,2 | 2,4 |
| 9 | Corvina Ober | 3/4 | 16 | GER | TSV 1880 Wasserburg | 1,5 | 2,0 | 0,0 | |
| 10 | Ira Weymar | 1/2 | 18 | 178 | GER | TSV 1880 Wasserburg | 11,8 | 6,6 | 1,0 |
| 11 | Sophie Perner | 1/2 | 24 | 176 | GER | TSV 1880 Wasserburg | - | - | - |
| 12 | Bente van Beers | 4/5 | 26 | 185 | NED | Capitol Bascats Düsseldorf | 10,6 | 7,4 | 1,4 |
| 13 | Alessia Pop | 3 | 15 | 172 | GER | TSV 1880 Wasserburg | 1,6 | 1,9 | 0,1 |
| 14 | Anja Sattler | 1 | 49 | 170 | GER | TSV 1880 Wasserburg | - | - | - |
| 22 | Manu Scholzgart | 2 | 24 | 172 | GER | TSV 1880 Wasserburg | 6,1 | 3,2 | 1,0 |
| 32 | Lina Lieckfeld | 4/5 | 22 | 181 | GER | DJK Don Bosco Bamberg | 11,5 | 8,5 | 0,3 |
Headcoach: Luis Prantl (GER, 24 Jahre, zweite Saison als Cheftrainer in Wasserburg)
Wasserburgs Resultate der letzten zwei Wochen:
08.12.: TSV 1880 Wasserburg – Bascats USC Heidelberg (2. DBBL) 83:78 (S) // Weymar 22pt
14.12.: USC Eisvögel Freiburg 2 – TSV 1880 Wasserburg (2. DBBL) 61:58 (N) // Hill 17pt
ALBAs Resultate der letzten zwei Wochen:
07.12.: ALBA – Saarlouis Royals (DBBL) 60:68 (N) // Kiser 13pt
15.12.: GiroLive Panthers Osnabrück – ALBA (DBBL) 62:80 (S) // Mulligan 17pt
Das Achtelfinalduell im DBBL-Pokal beim TSV 1880 Wasserburg beginnt am Mittwoch um 19 Uhr. Die Begegnung in der Wasserburger Badria-Halle wird kostenlos hier bei sporttotal.tv im Livestream gezeigt.